Fidelity Marktkommentar: Abstimmen über Koalitionsvertrag – Zukunft im Konjunktiv
Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des FF Germany Fund
Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des FF Germany Fund, kommentiert
die möglichen Auswirkungen des Koalitionsvertrags auf die deutsche Wirtschaft:
In diesen Tagen stimmen die SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag ab
– und somit auch darüber, ob die nächste "Groko" aus SPD und Unionsparteien
zustande kommt. "Eine erste Analyse des Vertragswerks zeigt: Der große Wurf
ist nicht gelungen", sagt Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des
Fidelity Germany Fund.
Digitalisierung
Mithilfe neuer Glasfaserkabel soll ein schnelles flächendeckendes Breitband-
netz entstehen, finanziert durch einen 2,6-Milliarden-Euro-Zuschuss der
Bundesregierung sowie einen Fonds im Volumen von zehn bis zwölf Milliarden
Euro. "Wie die Finanzierung dieses Fonds genau aussehen soll, ist unklar",
sagt von Engelbrechten, "allerdings könnten die Kosten durch Spektrumauktionen
und andere Maßnahmen zu einer Belastung für die Telekombranche werden, die
ohnehin kaum ihre Kapitalkosten verdient und lediglich geringes Gewinnwachstum
zeigt."
Deutsche Wirtschaft
Die Regierung ruht sich auf der guten Verfassung der deutschen Wirtschaft aus,
will lediglich die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Den Ruf nach
deutlicheren Steuersenkungen und umfangreichen Reformen haben die Koalitionäre
nicht erhört. "Es bleibt schwierig, im internationalen Steuerwettbewerb zu
bestehen", sagt von Engelbrechten. Wichtige Standortkonkurrenten senkten gerade
spürbar ihre Steuern. Weitere Belastungen wie höhere Krankenkassenbeiträge für
Arbeitgeber kommen hinzu. "Durch die Menge an Mehrbelastungen wird die Wettbe-
werbsfähigkeit nicht erhalten, sondern eingeschränkt", sagt der Fondsmanager.
Er erwartet keine starken Gewinneinbrüche – eine Hilfe seien die politischen
Beschlüsse aber auch nicht.
Automobilbranche
SPD und Union wollen mehr emissionsarme und klimaneutrale Autos auf die
Straßen bringen. Deutsche Autobauer könnten davon profitieren, sagt von
Engelbrechten: "Da den Unternehmen eine komplette Umrüstung von Soft- und
Hardware wahrscheinlich erspart bleibt, werden sie enorm entlastet." Neue
Antriebstechnologien seien allerdings teuer. "Einige Märkte werden künftig
nicht mehr so stark wachsen, zum Beispiel China und die USA. Zusammen mit
den Investitionen für die neuen Technologien ist kaum Gewinnwachstum zu
erwarten", prognostiziert der Fondsmanager. Das sei aber nicht der Politik
geschuldet.
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